Das berühmte Fingerspitzengefühl hilft hier nicht

Es ist wie bei den Verkehrsregeln. Ohne ihre Grundkenntnis kracht es unweigerlich.

Die Frage ist nur, zu welchem Zeitpunkt?

In freier Natur, werden Orchideen nicht gedüngt und es gibt auch keine Zeiten wo Dünger vorhanden ist und keine Zeiten wo er fehlt. Dünger ist in der freien Natur mehr oder weniger immer vorhanden. Jedoch löst erst der Regen die Nährstoffe aus dem Substrat, oder er bringt dieses, wenn auch in Spuren bereits mit sich. Schon aus diesem Grund ist jeder Orchideenfreund gut beraten dem Gießwasser immer Dünger beizumengen.

In freier Natur jedoch ist dieser Dünger nur in Form organischen  Materials vorhanden, welches von Mikroorganismen erst in anorganische Salze aufbereitet werden muss.

Das ist letztlich bei allen Pflanzen so. Die Dosis macht das Gift, sprach Paracelsus, und das ist die richtige Antwort. Wenn ausschließlich der fehlende Dünger die Blütenbildung auslöst, so ist diese im wahrsten Sinne des Wortes „mickrig“, und dieser Vorgang wird sich nicht oft wiederholen lassen.

Anorganischer Dünger ist nur tropfenweise dem Gießwasser beizumengen. Während der Triebzeit und bei entsprechender Feuchtigkeit und Temperatur, kann es etwas mehr sein. Aber wöchentliches Düngen nach Plan ist immer bedenklich. So lange die Wurzeln feucht, sind schadet vorübergehend auch zu viel Dünger nicht. Erst bei Austrocknung ziehen die Düngersalze die Feuchtigkeit aus den Wurzeln, diese verbrennen dann und die Pflanze vertrocknet.

In den Wurzeln fließt also etwas. Wird der Fluss zu langsam, verdunstet an der Oberfläche zu viel Wasser. Auf diese Weise steig  der Salzgehalt in den Wurzeln. Wird beim nur wöchentlichen Gießen wieder Dünger zugeführt, werden die Salze ein Stück weiter transportiert, erreichen ihr Ziel, also die eigentliche Pflanze aber noch lange nicht.  Die Salzkonzentration in den Wurzeln nimmt aber ständig zu. Wer also nur wöchentlich gießt ist gut beraten nur in geringsten Dosen zu düngen.

 

Es ist ähnlich wie in den Tropischen Regenwäldern oder in der Wüste.

Alle Pflanzen der tropischen geschlossenen Regenwälder mit Ausnahme der Tiefwurzelnden Bäume haben durch die Humide Bodenbeschaffenheit (Der Niederschlag ist größer als die Verdunstungsquote) zwar ein geringes aber dafür stetiges Nahrungsangebot.

In den Randgebieten der Wüstenregionen verhält es sich umgekehrt. Hier ist die Verdunstungsquote größer als der Niederschlag und deshalb werden die Nährstoffen an die Oberfläche befördert. Der Wüstenboden ist also eine Düngeroase. Dies ist auch der Grund dafür, dass während der kurzen Regenzeit in den Trockengebieten, das Pflanzenwachstum buchstäblich explodiert, während in der Trockenzeit trotz vorhandenem Dünger das Wachstum stagniert. Viele Kakteenfreunde glauben. Dass sie Ihre Pflanzen deshalb nicht düngen dürfen, weil in der Wüste kein Dünger sondern nur Sand vorhanden ist. Dabei fehlt in unseren Breiten dem Kaktus aus Trockengebieten nur die entsprechend hohe Temperatur um die Nährsalze aus dem Boden lösen zu können.

Es geht also bei der Pflanzenpflege Grundsätzlich um das Verhältnis zwischen Temperatur – Licht – Wasser – und Nährstoffe, wobei jener Faktor dessen Intensität am geringsten ist, das Wachstum bestimmt.

Auch wenn auf der Packungsbeilage zu lesen ist, dass der Dünger die Blütenbildung fördert, stimmt das nur bedingt. Denn ohne Wachstum gibt es auf Dauer keine Blüte.

Wer in Körben oder auf Rindenstücken kultivierte Orchideen wöchentlich für mehrere Stunden taucht, kann dann mehr Dünger verwenden, wenn er die Pflanzen nach dem Düngerbad mehrere Stunden in Nährstoffarmes also reines Regenwasser taucht.

Auf den Wurzeln sollen keine oder nur wenig Salze zurückbleiben. In der Natur ist dies genauso. Der Platz am Baum, wo sich die Orchidee befindet ist Lebensraum für Hunderte andere Lebewesen sowohl tierischer als auch pflanzlicher Natur. Hier bleibt nichs übrig. Alles wir verwertet.

Salze welche die Orchideenwurzeln nicht aufnehmen können, werden sofort von anderen Lebewesen verarbeitet. Ein solcher „Orchideenbaum“ gleicht einer riesigen chemischen Fabrik. Diese nachzuahmen ist selbst in einem Gewächshaus ein Ding der Unmöglichkeit. Der Orchideenfreund ist auch gut beraten sein Regenwasser auf Salzkonzentrationen zu testen, denn oft enthält Regenwasser viele Stoffe die der Pflanze als Dünger dienen. Bei den terrestrisch also Bodennahen Orchideen ist mit wenigen Ausnahmen Dauerfeuchte erwünscht. Doch keinesfalls Gartenerde. Auch hier ist Staunässe zu vermeiden. Jene Bodenbewohnenden Orchideen aus geschlossen Waldregionen haben ein relativ hohes Nährstoffniveau. Ihr Lebensraum ist ein ständig feuchtes Substrat welches wegen des natürlichen Zerfallsprozesses eine hohe Stickstoffkonzentration aufweist. Wer also Orchideen kauft, sollte darüber aufgeklärt werden.

Langjährigen Orchideenliebhabern genügt es nicht eine bestimmt Pflanze nur zu besitzen. Es ist also nicht so, wie beim Kunden der Balkonblumen kauft, die dann vor dem Winter auf dem Komposthaufen landen. Für den Orchideenliebhaber ist es wichtig:

  1. Dass er die Pflanze wieder zum blühen bringt.
  2. Dass er sich weiterentwickeln kann. (Er will dazulernen)
  3. Dass Seine Bemühungen gewürdigt werden.

Erst an 4. Stelle steht der seltenheitswert der Pflanze.