Historisches

Historische Daten

Mit Beiträgen von Univ. Prof. Dr. Heinrich Kühnelt, Prof. Dr.Dr. Julius Riedl – Bot. Inst. der Univ. Wien, Univ. Doz. Prof. Phil. Richard A. Holy, Manfred Schmucker- Österreichische Orchideengesellschaft.
Prof. Dr. Robert L. Dressler- University of Cambridge, Dr. Thomas Janssen – University of Oxford.
Redigiert von Univ. Doz. Prof. Richard A. Holy.

 

Zum Anfang

Heute sind Orchideen problemlos und preiswert erwerbbare Zierpflanzen, die in jedem Gartenmarkt, gelegentlich sogar als Sonderangebot in Supermärkten zu finden sind.

Das war natürlich nicht immer so – und diese kleine Übersicht versucht, Ihnen die verschiedenen Rollen, die die Orchideen im Leben der Menschen spielten, ein wenig näher zu bringen.

Die Beziehungen der Menschen zu den Orchideen können vor allen in zwei Kategorien gesehen werden

 

Ästhetischer Natur

wobei bei der Mehrzahl der Menschen in vorindustriellen Zeitaltern sicherlich der praktische Zugang im Vordergrund stand, kann sich doch die ästhetische Wertschätzung erst auf einer gesicherten materiellen Grundlage entwickeln.

 

Nützliche Orchideen

Tropische, epiphytische Orchideen kamen vereinzelt als Kuriosität in der Folge der Entdeckung der Seewege nach Amerika und Asien nach Europa.

Erst seit dem 18. Jahrhundert wurden sie bewusst importiert, gepflegt und vermehrt, ein Prozess, an dessen Ende das steht, was wir heute mit dem Begriff „Orchidee“ verbinden und als schöne und interessante Zierpflanze halten.

In allen Weltgegenden, in denen Orchideen vorkommen, wurden sie jedoch seit prähistorischen Zeiten wie andere Pflanzen auch vor allem nach ihrer Nützlichkeit im täglichen Leben und nur teilweise nach ihrer Ästhetik beurteilt.

 

Nahrungs- und Genußmittel:

Arten der Gattung Vanilla wurden schon in prä- kolumbianischer Zeit von den Azteken in Mexiko verwendet, um das Getränk chololatl (aus Kakaobohnen zubereitet und Ursprung des Trinkkakaos) zu würzen. Die kultivierte Art wurde  tlilxochitl = schwarze Blume genannt. Eine weitere Orchideenart, Oncidium cebolleta wurde als Zutat bei der Zubereitung des heiligen Peyote-Pilzes für religiöse Zeremonien verwendet.

Schriftliche Hinweise dazu werden dem mexikanischen König Itzcoatl (1427-1440) und Martin de la Cruz im Badiano Codex 1552 zugeschrieben.

Aus einer Laelien-Art wurde und wir noch immer ein Klebstoff gewonnen, der von mexikanischen Zuckerbäckern verwendet wird, um diverse kunstvolle Konfektkreati-onen haltbarer zu machen.

 

Salep (eine Zubereitung aus zermahlenen Wurzelknollen von Orchis, Dactylorhiza, Ophrys… und anderen temperierten Erdorchideen) wird seit langem im Mittelmeer-raum, dann auch in England und Europa als Nahrungsmittel verwendet. Dazu ein Bericht aus 1827, wo „1 Becher Salep um 3 ½ p + ½ p für ein Butterbrot dazu als ideales Frühstück für einen Rauchfangkehrer“ beschrieben wird.

Kaum vorstellbar, dass dieses Getränk tagtäglich in Kaffeehäusern angeboten wurde und trotzdem Orchis mascula und O. morio in England im Mai „überall zu finden“ war. Ob in der Türkei auch heute noch Salep verwendet wird, ist nicht belegt, bis vor wenigen Jahren waren immer wieder Berichte über den Zusatz von Salep zu Eiskreme zu finden; die zerstoßenen Wurzelknollen verleihen in eher warmen Klima

der Türkei der Eiskreme Konsistenz, damit sie nicht zerfließt. Speiseeis wird dadurch

so fest, dass man es mit Messer und Gabel essen kann.

So gut wie alle terrestrischen Orchideen mit Speicherknollen und viele der tropischen Arten mit Pseudobulben und ausgeprägten Blättern – etwa Eulophia, Spatho-glottisCoelogyne,… wurden vor allem im asiatischen Bereich als Gemüse verwendet.

In einer e-mail schilderte Oliver Sparrow (GB), wie er im Verlauf einer ausgedehnten Trekkingtour in Ostnepal verwundert und erschüttert war, als der Koch des Abends in den Wald ging und einen Korb voll Orchideen für die Zubereitung des Nachtmahls als Gemüse pflückte…

Und in Nepal kann man Frauen zusehen, die mit Buckelkörben – gehäuft voll mit Coelogynen und Cymbidien – heimwärts strebten, um mit dem „Grünzeug“ ihr Vieh zu füttern.

 

Fasern :

Die Fasern im Inneren der langbulbigen Dendrobium-Arten werden im indonesischen und philippinischen Raum seit jeher für Schnüre und Flechtwaren verwendet.

 

Klebstoff :

Hier gibt es Verweise auf die Verwendung von Bletilla, Catasetum, Cyrtopodium (für Schuster), Ansellia (für Pfeilspitzen) als Ausgangsmaterial für Diverse Klebstoffe.

Für Mexiko, wo die spanischen Quellen bis zur Konquista zurückreichen, gibt es aus- führliche Beschreibungen zur Gewinnung von Klebstoffen aus einer Tacuhtli genann-

ten Pflanze, die vermutlich eine Laelien-Art war. Mit diesen Klebstoffen wurden die kostbaren Federkunstwerke geschaffen, von denen einige wenige noch erhalten sind.

 

Medizin :

Cyp. calceolus, Cyp. guttatum wurden in Europa gegen Epilepsie, Epipactis helleborine gegen Kropf, Neottia nidus-avis gegen Würmer angewendet; die An-wendungen in der afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Volksmedizin sind bis heute unübersehbar. In einigen Landschaften Afrikas und Asiens ist die Übersammlung von Orchideen (und auch Sukkulenten) für die Zwecke der Volksmedizin bereits ein an die Ausrottung grenzender Vorgang.

 

Andere Verwendungen:

In Mexiko wurden die hohlen Bulben von  Schomburgkia tibicinis  als Pfeifen und

Schomburgkia thomsoniana als Trompeten verwendet.

 

Der ästhetische Zugang                                                                                                                

Die botanische und ästhetische Erkennung und Bearbeitung der Orchideen hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die nach den vorhandenen schriftlichen Quellen im kaiserlichen China beginnt… Das Zeichen LAN bedeutete ursprünglich „duftende Pflanze“, im Besonderen eine „duftende Orchidee“.

Die ersten nachweisbaren schriftlichen Bezüge auf Orchideen (und im tropischen und subtropischen Teil Chinas wachsen oder wuchsen viele Orchideen) finden sich etwa 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung in den Klagelieder des Herrn Wat Yuen; in diesen Klageliedern denkt er daran größere Flächen mit duftenden Orchideen zu bepflanzen, um dadurch seine Melancholie zu mindern.

 

Chronologie

500 vor Christus. Die ältesten Schriften über die Kultivierung von Orchideen stammen aus China.

 

300 vor Christus In Europa war es der Grieche Theophrastus, der die mitteleuropäische Orchidee beschrieb. Er bezeichnete sie erstmals in seinem Werk zur „Geschichte der Pflanzen“ als „orchis“, dem griechischen Wort für „Hoden“, weil ihm die hodenförmigen Wurzelknollen als Merkmal auffielen. Die Bezeichnung Orchis hat man später für die ganze Pflanzenfamilie übernommen.

 

206 etwa, also vor der Zeitrechnung wird eine „Materia Media“ – ein Medizinbuch veröffentlicht, in dem medizinischer Anwendungen von Pflanzen beschrieben werden, die Orchideen sein könnten.

 

265 wird eine „Flora der Südlichen Regionen“ von einem Hr. Tsui veröffentlicht. In der klassischen, konfuzianisch ausgerichteten Epoche Chinas wurden die Pflanzen – vor allem einheimische Cymbidium-Arten – als ästhetisch ansprechende Dekoration, wie etwa auch Bonsais, gehalten – 22 Arten werden in diesem Buch beschrieben.

 

1128-1283 In der SUNG Dynastie – wird Tsui Tze Kang (Die Orchideenkultur in Kum Cheong) und  Wong Kwai Hok  (Die Orchideen – Kultur des Hr. Wong) veröffentlicht.

Es sind dies Kulturanleitungen, die teilweise recht modern anmuten – es wird diskutiert, wie die Orchideen aufzustellen und zu pflegen seien, Substratmischungen, Dünger und Wasserqualität werden besprochen; der Begriff LAN wird ernsthafte Bezeichnung für Cymbidium.

 

1233 erscheint Ching Chang Lan-Pu – ein Traktat über Orchideen, das 22 Typen in weiß und Purpur beschreibt.

1247 erscheint ein Traktat von Kuei-Hsüe in Süd-Fukien mit 6 Kapiteln zu den Themen

  • Bewertung
  • Zeitpunkte der Kultivation
  • Teilung
  • Substrate
  • Pflanzorte
  • Beschreibung von 37 Arten

Eingebettet in die traditionelle konfuzianische Staatsphilosophie wurden die Orchideen nach einem hierarchischen System klassifiziert und gerne mit erfolgreichen oder berühmten Menschen – etwa Kaisern, Königinnen, Kurtisanen, Generälen, Beamten,… verglichen

 

1368-1644 in der MING Dynastie – wird „Lan Shih – Eine Naturgeschichte der Orchi-deen“ veröffentlicht, die Vergleich mit kaiserlichen Hierarchien versucht.

Eine systematisch-botanische Bearbeitung nach westlichen Gesichtspunkten wurde erst nach 1950 – vor allem nach Schlechters Systematik – in Angriff genommen.
Historisches – Europa und Kolonien

Die Beziehungen – bis hin zur Namensgebung dieser Pflanzenfamilie gehen bis in die Spätzeit des klassischen Griechenlandes zurück, als der Arzt und Naturforscher Theophrastus (370-285 vZ in Kleinasien) Orchis in seiner Übersicht der Heilpflanzen anführte.

Das Wort „Orchis“ bedeutet im Griechischen „Hoden“, was von den zumeist paarweise gebildeten Wurzelknollen dieser terrestrischen Orchideen abgeleitet wurde. Nachdem die damalige Welt eine durchaus männliche war und ausschließlich die männliche Sicht überhaupt eine Sichtweise war, darf es nicht verwundern, dass die Pseudobulben der Orchideen mit dem männlichen Geschlechtsorgan verglichen wurden.

 

Weitere Beschreibungen finden sich bei Plinius (24-79) und Dioscorides  (ca 77).

Die damaligen medizinischen Vorstellungen waren noch stark von Analogie und Magie durchsetzt – so glaubte man etwa, dass bei der Anwendung der Wurzelknollen von Orchideen die größere der beiden Knollen die Zeugung von Knaben, die kleiner die von Mädchen bewirken würde.

Vorstellungen, die sich weit über das Mittelalter hin halten sollten.

Weitere schriftliche und bildliche Belege zu heimischen europäischen Orchideen finden sich unter anderem in:

  • Codex Vindobonensis – römisches Herbar – ca. 400
  • Codex neapolitanus – eine Abschrift von Dioscorides – zeigt

Ophrys sphecodes, Ophrys apifera – ca. 640

  • „Herbarius“ des Benediktiners Vitus Auslasser – Primula veris alba = Orchis militaris, Pr. v. fusca = O. latifolia – 1475
  • Otto Brunfels (1498 -1534) – Klassifizierung von Kräutern, unter anderen 7 europäische Orchideen.

Mit der Entdeckung des  amerikanischen  Kontinents durch Christoph Kolumbus

(1492), der eigentlich einen neuen Seeweg nach Japan finden wollte, der nicht unter der Herrschaft der portugiesischen Seemacht stand, begann der Paradigmen- Wechsel vom Mittelalter in die Renaissance.

Das löste einen Umbruch aus, der nicht nur das soziale und politische Gefüge in Europa veränderte, sondern auch den Wissenschaften neue Antriebe verlieh. In diversen botanischen Abhandlungen tauchen die ersten Abbildungen tropischer Orchideen auf, wie etwa Stanhopea hernandezii.

Im 16. Jahrhundert. beginnet die Vorstellung, dass die Welt, in der wir leben ein Gottgeschaffenes, unveränderliches Kontinuum sei, aufzubrechen und die ersten systematischen Einteilungen in Nutz- und Zierpflanzen werden sichtbar; im deutschen Sprachraum sind zu dieser Zeit etwa 30 botanische Schriften nachweisbar, etwa das Contrafeyt Kräuterbuch von Hans Weiditz – veröffentlicht

 

1532.

Ein Herr Brunfels berichtet zu dieser Zeit, wie er Aloen über den Winter bringt – Pflanzen, „die man in Scherben (Töpfen) ziehet und zum Verwundern auf die Fensterbank stellt…“

 

1552 Hieronymus Bock, beschrieb 1552 das fremdländische Geschöpf als etwas, das unten ausschaue wie eine Hornisse und oben wie ein Vögelein. Auf die Idee, dass dieses Wesen seinen Ursprung in einem Samen hat, kam er nicht. Er war der Meinung, es stamme von einer Drossel ab.

Schon bevor die Spanier Amerika entdeckten, waren Orchideen bei den indianischen Stämmen bekannt und beliebt. Mit der Eroberung der Neuen Welt brachten spanische Seefahrer bald die ersten tropischen Orchideen nach Europa.

 

1552 wird ein „Aztekisches Kräuterbuch“, das „Bodianus Manuscript“ Veröffent-        

licht in dem Vanilla beschrieben wird. 1560 baut Herzog von Württenberg in Stuttgart das erste Pomerantzenhaus mit handgeblasenen Butzenscheiben und einem Kachelofen. Die erste dokumentierte Orangerie, die damals natürlich noch nicht so hieß, zeigt die Leidenschaft für Zitrusbäume als Ziergehölz.

Die Lösung der technischen Probleme bei der Überwinterung frostempfindlicher Pflanzen durch verglaste Gewächshäuser sind allerdings keine Erfindung der Renaissance, denn schon von einem römischen Kaiser wird berichtet, dass es in seinen Gärten verglaste Pflanzbeete gab, in denen seine Gärtner auch in der kalten Jahreszeit Gurken und andere Delikatessen heranzogen.

in der Literatur Europas sind zu dieser Zeit 13 Orchideen-Arten belegt. Trotz aller Fortschritte auf vielen wissenschaftlichen Gebieten (auch der Botanik) werden jedoch die Schriften der griechischen Klassiker (Medizin und Biologie) weiterhin tradiert und nicht in Frage gestellt.

Ein interessantes Beispiel zu dieser Geisteshaltung ist die These, dass Bienen und Wespen nach Angaben der antiken Autoren Plinius und Vergil aus den Kadavern von Stieren und anderen Weidetieren entstünden; dazu gibt es auch im Buch der Richter (Altes Testament) eine Stelle, die einen Bienenschwarm aus einem toten Löwen entweichend beschreibt…

Durch logischen Schluss – die Blüten der europäischen Ophrys-Arten sehen ja Insekten sehr ähnlich – wurde nun vermutet, dass Insekten direkt oder indirekt aus Weidetieren entstünden. Das heißt, die Pflanzen und ihre Blätter entstehen aus dem auf der Weide verspritzten Sperma der Stiere und Schafe….

Ein überlieferter Versuch, diese Theorie durch Beobachtung zu entkräften wurde damals mit dem Hinweis auf das „Buch der Richter“ abgeschmettert.

 

Die Niederlande waren offenbar schon damals eine gärtnerisch interessante Gegend, wie der Stich zur Gartenkunst zeigt, der ein verglastes Treibhaus mit einer kanalisierten Warmluftheizung zeigt.

 

1613 beschreibt Alvin Samedo – Jesuit in Japan ein Den. moniliforme

 

1615 blühte die erste Orchidee in Holland. Das Interesse der Europäer an den Exoten wuchs. So entwickelten sich umfangreiche Importe, denn das Züchten wollte nicht gelingen.

 

1623 beschreibt der Schweizer Casper Bauhin an die 6.000 Pflanzen und entwickelt erste taxonomische Konzepte, die als Gattung und Art aufgefasst werden können.

 

1640 gibt John Parkinson in seinem „Theatrum Botanicum“  Hinweise auf Cypripedium calceolus und C. acaule, das offenbar aus den nordamerikanischen Kolonien eingeführt worden war.

 

1698 blüht Brassavola nodosa in den Niederlanden; die Pflanze war damals natürlich nicht unter diesem Namen bekannt, sondern nur beschrieben, unter anderem, dass sie von der Insel Curaçao stammte.

 

1703 verfasste der Niederländer Draakensteen die botanische Schrift Hortus Indicus Malabaricus, die die Flora der indonesischen Kolonien zum Thema hat und unter anderem 6 lokale epiphytische Orchideen darstellt.

 

1710 entstehen die ersten Gewächshäuser als Holz-Glas-Bau mit Tafelglas

 

Das Zeitalter der Aufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung mit neuen ökonomischen und politischen Strukturen macht

aus der Gärtnerei die Gartenkunst, die für alle, die sich das leisten können, zum Medi- der Selbststilisierung wird – dies wird in den kommenden 200 Jahren noch Triumphe feiern.

Diese neue Sicht der Gärtnerkunst fördert natürlich auch die wissenschaftliche Betrach-tung der Botanik und so beginnen die ersten umfassenden systematischen Untersu-chungen botanischer Art durch Linné et al.

 

1716 wird die erste Warmwasserheizung eines Gewächshauses in England mit handge-schmiedeten Rohren errichtet

 

1731 erscheint ein Bericht über eine epiphytische Orchidee, die von den Bahamas nach England gelangt – Bletia vericunda. Ein Herbarexemplar war nicht ganz ausgetrock-net, die Bulbillen erweckten die Neugier des Empfängers, der sie in einem Mulchbeet ausgepflanzt; im nächsten Frühjahr blühte sie.

 

1739 werden fehlschlagende Kultivationsexperimente mit Rückschnitten   von Vanilla in englischen Gewächshäusern vorgenommen, erste verschwommene Bemerkungen zu versuchter Samenvermehrung tauchen auf.

 

1749 beschreibt Linné Vanilla und reiht sie unter Orchis ein, er beschreibt aphrodisie-rende Wirkungen; später wird er sie in Epidendrum Vanilla umbenennen.

Carl von Linné, der sich später der Mode der Zeit folgend Carolus Linnaeus nannte, wurde 1707 als Sohn eines Pastors im schwedischen Smaland geboren. Vorerst auch zum Pastor bestimmt, studiert er trotz wirtschaftlicher Probleme in Uppsala Medizin und arbeitet nebenbei als Kurator des Botanischen Gartens der Universität.

 

1732 wird er zu einem Regierungsauftrag für eine botanische Studie, der Flora Lapponica berufen, ein Werk für das er uneingeschränkten Beifall erntet.

 

1735 erringt er einen akademischen Grad in Holland und führt seine botanische Studien weiter. Aufbauend auf viele Vorarbeiten entwickelt er das im Grunde noch heute verwendete „binomischen System“ der Klassifizierung, das die Pflanzenwelt nach Form, Anzahl und Anordnung der Sexualorgane – Staubgefäße und Narben – systematisch einteilt und mit einem zweiteiligen lateinischen Namen bezeichnet. Natürlich gab es auch vor dieser Idee Beschreibungen und Klassifizierungen von Pflanzen, die in Latein abgefasst waren. Allerdings wurden die Pflanzen in Prosa beschrieben weshalb die Klassifizierungen für ernsthafte systematische Vergleich kaum brauchbar waren.

1741 wird Linné Professor für Medizin in Uppsala.

 

1742 Professor für Botanik in Uppsala.

 

1753 folgt die Veröffentlichung des Werkes Species Plantarum, die Vorstellung der neuen Methode der Klassifizierung der Pflanzen, der Beginn der hierarchischen Klassifizierung, wie sie heute verwendet wird.

 

1754 beschreibt Genera Plantarum alle damals bekannten Arten der Orchideen, wobei die tropischen Epiphyten unter Epidendrum (wörtlich „auf dem Baum“) subsummiert wurden. Die Leistung Linnés liegt in erster Linie darin, dass er die existierenden botanischen Vorstellungen und Systeme auf eine neue Basis stellte – die Beschreibung der Blüten und der Anordnung deren Organe (Sexualorgane) als Grundlage der Klassifizierung; damit wurde eine erste Basis für die später – vor allem durch Darwin – entwickelte Evolutionsforschung gelegt.

 

1759 wird in Kew, nahe bei London ein botanischer Garten, vorerst als Privatbesitz einer Adeligen gegründet.

 

1772 erscheint in Japan ein botanisches Werk über duftende Blüten, darunter 6 Orchideen : Cym. ensifolium, Cym virescens, Sedirea japonica, Neofinetia falcata, Bletilla hyacintha, Den moniliforme. Orchideen waren in Japan, wie im kaiserlichen China ein begehrtes Objekt der Dekoration; Neofinetia falcata etwa war vor allem in der Shogunatszeit sehr begehrt und wurde von den Edelleuten sogar auf ihren Reisen mitgeführt.

 

1768 wird im Gardeners Dictionary  Vanilla und Epidendrum beschrieben.

 

1788 veröffentlicht der französische Botaniker Jussieu die erste systematische Darstel-                 lung der Orchideen als Pflanzen-Familie.

 

1788 tritt Franz Bauer eine Reise nach England an, trifft dort auf Sir Joseph Banks, den Präsidenten der RHS. Dieser ist so begeistert von den Fähigkeiten Bauers, dass er ihn auf Lebenszeit anstellt, um die Pflanzen von Kew zu zeichnen. Bauer bleibt zeit seines Lebens in England und erstellt unermüdlich Zeichnungen und Lithographien von Orchideen, anatomischen Studien und Pflanzenkrankheiten.

Zusätzlich befasster sich sehr früh mit den ungelösten Rätseln der Vermehrung bei Orchideen; nach ihm wurden unter anderem Coelia Baueriana, Galeandra baueri, Oncidium baueri benannt.

 

Franz Bauer (1748 – 1840) war einer der weitgehend unbekannten Altösterreicher, die untrennbar mit der Geschichte der Orchideenkultur verknüpft sind.

Geboren in der österreichischen Provinz erlernte er Zeichnen und Malen offenbar schon als Kind, da sein Vater Maler bei Fürst Liechtenstein war.

 

1789 erster Import von Phaius tankervilliae nach England.

 

1800 beginnen die gewerblichen Importe von Orchideen mit großen Problemen (so wurde etwa Phalaenopsis sanderiana von den Philippinen erst 1901 erfolgreich importiert, vorher waren alle Pflanzen während der Seereise eingegangen).

Ein Import aus der Karibik nach England dauerte etwa im Schnitt 2 Monate auf See, aus Südostasien bis zu 6 Monate!

Dabei ist hier noch gar nicht eingerechnet, wie lange die Pflanzen seit ihrer Sammlung an den Originalstandorten bis zum Exporthafen unterwegs war. Stellt man sich die un-wegsamen Landschaften Südamerikas oder Asiens mit den damaligen Transportmög-lichkeiten vor, so waren die Pflanzen von der Aufsammlung bis zur Ankunft bei der bestellenden Gärtnerei gut und gerne 4 bis 8 Monate mit keiner oder minimaler Pflege unterwegs, wobei noch anzumerken ist, dass Trinkwasser auf den Segelschiffen immer ein knappes Gut war…

Die Kultivierung der Überlebenden ließ zu jener Zeit auch zu wünschen übrig. Die Orchideen wurden, vor allem in England, in stark geheizten Gewächshäusern (die damals Stove = Ofen genannt wurden) in Beeten aus Gerberlohe und Sägespänen, bei hoher Luftfeuchtigkeit kultiviert und litten unter diesen dampfbadartigen Zuständen zumeist nicht sehr lange; Nachschub kam mit den nächsten Schiffen.

Diese Kulturmethode entstand aus dem Missverständnis, dass die ersten importierten Orchideen wahrscheinlich aus heiß-feuchten Küstengegenden stammten und zusätzlich von den Sammlern aus Ignoranz und Geheimhaltung kaum Standortverhältnisse übermittelt wurden.

Trotz all dem bricht der Orchideenwahn nun vor allem in England aus :

 

1812 beginnt Mr. Loddiges mit der Kultur tropischer epiphytischer Orchideen.

 

1813 werden in Kew bereits 46 Gattungen mit 115 Arten kultiviert

 

1817 wird ein Bericht über die Kultur tropischer Orchideen in Körben durch Mr. Joseph Banks veröffentlicht; die Erfolge nehmen zu, die meisten Pflanzen werden noch immer zu warm kultiviert.

 

1818 blüht Cattleya labiata zum ersten mal in Europa bei William Cattley; Mr. Cattley (1788 bis 1835) war ein wohlhabender Kaufmann, der wie viele seiner Zeit tropische Pflanzen sammelte (importierte) und pflegte. Eine der vielen Lieferungen aus Brasilien Enthielt tropische Farne, Palme und Moose, wobei die Legende vermerkt, dass der Sammler die Cattleyen als Packmaterial verwendete. So nett die Anekdote mit der Verpackung auch klingt, sehr wahrscheinlich wurden die Cattleyen gezielt eingepackt und zusammen mit den Farnen und anderen Pflanzen gebündelt, um Transportschäden zu verhindern.

Wie dem auch sei – die Erstblüte der Cattleya labiata var. autumnalis, wie sie später benannt werden sollte, mit lavendelblauer, großer Blüte war die Sensation Europas.

Entdeckt, aufgesammelt und verschickt wurden die Pflanzen von William Swanson aus Brasilien. Da kein genauer Fundort angegeben war und man den Exporthafen Rio de Janeiro ans Standort annahm, blieb die Art in Folge trotz großer Aufwendungen 71 Jahre verschollen, bis die Wiederauffindung bei Pernambuco eher zufällig erfolgte.

 

1820 war der beginn einer Ochideen- Plünderung sondergleichen. Scharen von Abenteurern waren unterwegs. Sie sammelten auf eigene Faust oder im Auftrag großer Gärtnereien oder Sammlern.

 

1821 wird eine formale botanische Beschreibung durch John Lindley veröffentlicht, der eine neue Orchideengattung definierte und sie nach dem Ersthalter  Cattleya  nannte.

John Lindley (1799 – 1865), Sohn eines bekannten Gärtners hatte anfänglich keine besonderen Berufsaussichten, bis er 1818 Hilfsbibliothekar bei Sir Joseph Hooker, einem damals sehr bekannten Botaniker, wurde.

Sir Hooker, am Fortkommen Lindleys interessiert, vermittelte ihn an William Cattley, um dem Sammler Cattley zu helfen, eine Privatzeitschrift, in der Cattley seine Sammlungen und Neuerwerbungen beschrieb, zu betreuen.

So kam Lindley, der einer der frühen Giganten der Orchideenkunde werden sollte, zu den Orchideen und wurde ab 1821 auch massiv von Cattley unterstützt.

 

1822 wurde Lindley Assistant Secretary der Royal Horticultural Society, die damals schon eine beachtenswerte Größe in der botanischen Welt war und wurde durch diese Verbindungen auch mit der Überwachung der Gartenbauaktivitäten für Lord Cavendish in dessen Landsitz Chiswick betraut.

 

1826 engagierte der Herzog von Devonshire, Joseph Paxton, einen in Kew tätigen Gärtner für seine Anlagen, 1833 begeistert sich anlässlich einer Ausstellung der RHS für Orchideen und rüstet eigene Sammler aus, die vor allem in Asien sammeln. In Folge baut er ein für damalige Zeiten riesiges Gewächshaus (100x40x18 m), für dessen Entwurf und Ausstattung auch Paxton verantwortlich zeichnet. 1838 wird er Präsident der RHS.

Nach im benannt sind u.a. Cymbidium devonianum, Dendrobium devonianum, Oncidium cavendishianum, Galeandra devoniana, u.v.a.

Joseph Paxton (1801 – 1865), der wesentlichen Anteil am Publikumserfolg des Herzogs von Devonshire hatte, wurde in ärmlichen Verhältnissen geboren, genoss eine Ausbildung zum Gärtner in diversen Landsitzen englischer Adeliger und erhielt 1823 eine Anstellung in Wimbledon als Gärtner beim Herzog von Somerset. In diesem Jahr begannen die Arbeiten am Experimentalgarten Chiswick des Herzogs von Devonshire, der Paxton (wahrscheinlich auf Empfehlung) engagierte.

In Folge war Paxton verantwortlich für die Gartenfragen des Herzogs und mehr und mehr für die wachsende Orchideensammlung, damals die größte Privatsammlung weltweit. 1841 wurde er einer der Mitbegründer des Gardeners Chronicle und verfasste in Folge viele Beiträge

 

1829 Lindley erhält er eine Professur für Botanik in London.

In der Zwischenzeit wurde auch offenbar viel in die Neugestaltung von Gewächshäu-sern investiert.

 

1832-34 werden geheizte Glashäuser in Nymphenburg und Hannover-Herrenhausen eingerichtet.

 

1835 veröffentlicht Lindley das Werk Natural System of Botany, in dem er die Orchideen in 7 Tribus aufteilt.

 

1840 Entdeckung der Maxillaria (Lycaste) skinneri v. alba in Guatemala durch Skinner & Linden. Das selbe Jahr bringt einen Durchbruch beim Transport tropischer Pflanzen – die Erfindung des Wardian Case. Dr. Ward, ein englischer Landarzt pflanzte kleine Farne in eine große Flasche und war sehr erstaunt, als sich diese eingeschlossenen Pflanzen monatelang ohne jede Pflege bester Gesundheit erfreuten.

Nach einigen Experimenten wurden nach seiner Anleitung robuste und so gut wie wasserdichte Transportkästen mit verglasten Seitenwänden und Deckel konstruiert, in denen versuchsweise kleine Bäumchen aus England nach Australien geschickt wurden. Da die Bäumchen die fast 6 Monate dauernde Seereise ohne Probleme überstanden hatten, war eine neue Transportmethode geboren.

Lindley empfahl die Wardian Cases dem Herzog von Devonshire Lord Cavendish.

William George Spencer Cavendish (1790 – 1858)

Er war der sechste Herzog von Devonshire, studierte in Cambridge, hatte viele öffentliche Positionen inne, war jedoch durch frühe Taubheit sozial isoliert.

Dieser kultiviert zu jener Zeit erfolgreich Psychopsis papilio (was aber eher das Kön-nen seine Gärtner gewesen sein dürfte) und löste damit wird eine weitere Lawine orchideenorientierter Aktivitäten in England aus; Cavendish selbst wird bald zum größten Sammler und Kultivateur. Er kaufte zum Beispiel auf einer Auktion eine weiße Philippinische Phalaenopsis um 100 Guineas, was damals sicher eine Menge Geld war.

100 Guineas wären umgerechnet 1.100.- €. Gerechnet nach den heutigen Lebens-erhaltungskosten wären dies etwas 12.000.-€.

 

1841 erfolgt die Gründung der Zeitschrift Gardeners Chronicle durch Lindley, Paxton und anderen Personen. Diese Zeitschrift sollte eines der hervorragenden Vehikel zur Förderung der Orchideenkunde werden. Durch seine Beziehungen zur RHS und reiche Förderer wurde Dr. Lindley Experte Nummer eins seiner Zeit für Orchideen in England und Europa. In dieser Position erhielt er Unmengen von neuen Pflanzen zur Bestimmung und Beschreibung zugesandt, veröffentliche viele Neubeschreibungen und grundsätzliche Untersuchungen und legte eine breite Basis für die wissenschaftliche

Die teilweise noch erhaltene Korrespondenz der Sammler an ihre Auftraggeber lässt heute jedem vernünftig denkenden Menschen die Haare zu Berge stehen – so wurden

 

1865 1.000 Cattleya labiata, 100.000 Cattleya mendelii, und 1.500  Masdevallien nach England exportiert.

 

1849 tauchen erste Berichte aus Kew Gardens über die Aufzucht von Orchideen aus Samen auf – mit sehr geringe Erfolgs- und Überlebensraten, es wird allerdings in die-sem Bericht keine Methodik beschrieben.

 

1850 bietet Stevens in London an: 200 Lots südamerikaner Orchideen, gesammelt von Warscewicz, 194 lots von Linden, 232 lots aus Indien.

JOSEF RITTER VON RAWIEZ WARSCEWICZ (1812-1866)

Paxton beginnt nach Hinweisen von Dr. Lindley, der offenbar die vielen Erzählungen der Sammler doch nicht so recht geglaubt hatte und vielleicht genauer recherchierte, seine Orchideen in einem temperierten, gelüfteten Haus zu kultivieren und hat durch-schlagenden Erfolg, der Siegeszug der Orchideenkultur in England beginnt nach Jahren der Rückschläge.

Dr. George Gardener beklagt zu dieser Zeit, dass rings um Rio de Janeiro Kaffeeplantagen angelegt würden und damit die natürlich Lebensräume der vergeblich gesuchten C. labiata zerstört würden.

 

1853 ist dann das Jahr des Mr. Dominy (Obergärtner bei der Firma Veitch in London). In vielen Versuchen kreuzt er Cattleyen und Calanthen, nachdem ein befreundeter Arzt (Dr. Harris) das Thema der Samenvermehrung und der Bestäubung mit ihm diskutiert hatte.

 

1854 setzt eine Calanthe Samen an, die in Folge keimen und 1856 zur Erstblüte einer künstlichen Hybride – Calanthe Veitchii – kommen. Die Sensation ist perfekt, viele Botaniker sind ratlos, weil sie eine Flut von nicht bestimmbaren Hybriden auf sich zukommen sehen. Wenn die geahnt hätten, was dann 100 Jahre später passierte …

 

1856 blühte die erste Kreuzung zweier Orchideen durch künstliche Bestäubung in der englischen Gärtnerei von John Dominy. Doch er hatte einfach nur Glück. Er muss die Samen auf die Unterlage der Mutterpflanze ausgesät haben, wo der Fadenpilz schon existierte.

 

1856 John Dominy (1816 – 1891). Nach einer Lehrzeit als Gärtner in diversen engli-schen Gärtnereien tätig; 1846 bei Veitch, damals eine der besten Orchideen-gärtnereien, wo er bis 1880 als Züchter verbleibt. Im Verlauf der 1850er Jahre experimentiert er mit Kreuzungen, vor allem von Cattleyen, und bringt auch das Kunststück zuwege, die Samen auf den Substraten der Mutterpflanzen zum Keimen zu bringen. Die Pflanzen wachsen allerdings relativ langsam, sodass die erste künstliche Orchideen-Hybride zur Blüte kommt – eine Primärhybride von Calanthe – und wenig später als erste künstliche Hybride auch registriert wird. Von den zuvor aufgezogenen Cattleya-Hybriden kommen viele zur Blüte, zum Teil allerdings erst Jahre nach der Calanthe.

 

1857 Erstblüte einer künstlichen Hybride – Calanthe Veitchii. Durch John Dominy.

 

1859 wird das „Floral Committee“ der RHS (Royal Horticultural Society) in Kew ge-gründet – formelle Bewertungen und Auszeichnungen von blühenden Orchideen beginnen.

 

1865 nach dem Tod Dr. Lindleys wurde Heinrich Gustav Reichenbach f. (1823 – 1889) der neue „König der Orchideen“. Als Sohn eines bekannten und berühmten Botanikers (daher rührt der seltsame Zusatz „f.“ zu seinem Namen, der filius = Sohn bedeutet) hatte er geringe Probleme mit dem Vorankommen in der botanischen Fachwelt.

Als inoffizieller Nachfolger Lindleys erhielt er so viele Neufunde zugesandt, dass er fast automatisch zur Berühmtheit werden muss.

Es muss ein schwieriger Charakter gewesen sein, denn er brüstete sich mit den vielen Beschreibungen, die er verfasste, wobei ein guter Teil so stromlinienförmig abgefasst ist, dass sie auf hunderte Orchideenarten passen könnten. Nicht zuletzt die Erstellung der Gattung „Aa“ wirft ein bezeichnendes Licht auf Reichenbach – die Vermutung, dass er den Namen nur erfand, damit er in jeder Liste immer an Anfang zu finden wäre, scheint recht plausibel. Eine andere Erklärung für diesen seltsamen Namen war bisher nicht zu finden und Reichenbach schwieg sich aus.

Aus Eifersucht auf die im Lauf der Jahre aufkommende botanische Expertise in England ließ er sein umfangreiches Herbar testamentarisch (in Wien) 25 Jahre unter Verschluss halten, eine schwerwiegende Entscheidung, die in folge eine fast unübersehbare Serie von Doppel- und Mehrfachbeschreibungen auslöste.

 

1865 F. Sanders schreibt Arnold, 1.000 Cateleya labiata und 100.000 Cattleya mendelii zu senden. Arnold schreibt derweilen, er habe 15.000 Masdevallien aus Venezuela gesandt.

 

1847 publizierte William Herbert seine „Remarks on the Hybridization of Vegetable“, in denen er über die gezielte Bestäubung und Zucht bei Gemüsepflanzen berichtet.

 

1878 waren es dann insgesamt ca. 2 Millionen Pflanzen,

  1. Bull gibt bekannt, dass zwei der größten Orchideensendung angekommen seien – die Menge wird auf mehr als 2 Millionen Pflanzen geschätzt.

 

1881 sandte Roebelin 21.000 Phalaenopsis von den Philippinen nach England – das Schiff ging allerdings in einem Taifun verloren…

abgesehen vom Verlust der 21.000 Phalaenopsis von den Philippinen empfängt Low 1.000 Masd. maculata und Masd. Wageneriana.

1883 zahlte Baron Schroeder 105 Pfund an F. Sanders für eine C. labiata percivaliana, eine Aerides lawrencae kostete 210 Guineas, zwei kleine C. labiata 130 Guineas.

 

1884 F. Sander erhält von Ericsson 3.000 Paph. curtisii

Die Beliebtheit der Orchideen trieb vor allem in England seltsame Blüten.

 

1891 nahm Rudolf Schlechter (1872 – 1925) nach seiner Lehre als Gärtner ab 1891 an botanischen Expeditionen nach Afrika, Sumatra, Java, Sulawesi, Borneo, Neu Guinea und Australien teil. 1895-98 bereiste er Deutsch-Westafrika – Kamerun, Togo, 1901-02 Deutsch Neu Guinea und beschreibt 1450 Arten, davon 1102 neu.

1902-03 untersucht er Neukaledonien und bearbeitet danach in Berlin seine Aufsammlungen und neues Material, das er zugeschickt bekommt.

Er ist einer der wenigen Botaniker, die ausgiebig und akribisch an den Standorten sammelten und untersuchten, im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen des 19. Jahrhunderts, die man eher als Schreibtischtäter bezeichnen muss.

Schlechter scheint der letzte der Orchideen-Botaniker gewesen zu sein, der noch den Versuch wagen konnte, das gesamte Orchideenwissen seiner Zeit neu zu ordnen und mit den letzten Erkenntnissen zu ergänzen. Die Qualität seiner Arbeiten war so hoch, dass bis heute seine Untersuchungen über Neuguinea trotz deren Alter (und der Sprache) noch immer international anerkannte Standardwerke für Bestimmungen geblieben sind.

Sein Versuch, das gesamte Wissen über Orchideen in einem Werk zusammen-zufassen, ist wohl allen ernsthaften Orchideenfreunden bekannt – immerhin scheint die dritte Auflage seines monumentalen Werkes „Die Orchideen“ nun doch in die Zielgerade einzubiegen.

Sein umfangreiches Herbar wurde leider 1943 bei einem Bombenangriff auf Berlin ein Raub der Flammen.

 

1895 erscheint die erste Ausgabe von Sander’s List of Orchid Hybrids – offenbar waren die Züchter trotz aller Probleme mit der Samenkeimung so erfolgreich, dass die formelle Aufzeichnung der Hybriden ein Anliegen geworden war.

1895 wurden in London 10.000 Lycasten um 2 Pfund / 100 Stk. angeboten …

 

1889 wurden 100.000 Odm. crispum aus Neu-Granada (etwa Kolumbien) exportiert,

ein Auktionshaus in London offeriert die Pflanzen.

Nach der Entdeckung der Maxillaria (Lycaste) skinneri v. alba 1840 in Guatemala durch Skinner & Linden wurde diese Gattung zu einem Publikumsrenner.

Andere Gattungen waren etwas teurer – für seltene oder begehrte Arten wurden bis 1.000 Pfund / Pflanze bezahlt, Masdevallia tovarensis etwa nach der Anzahl der Blätter, wobei 1 Guinea / Blatt gefordert und bezahlt wurde.

 

1907 F. Sander erhält von Micholitz 8.000 Dendrobium nobile.

wie das geschah, muss man sich vorstellen, wenn berichtet wird, dass 10.000 Bäume für 4.000 gesammelte Odontoglossen gefällt wurden. Kein Wunder, dass diese wunderbare Art nicht lange danach an den Standorten ausgerottet war. Teilweise wurden Standorte auch mit Bedacht „leergesammelt“, um einer etwaigen nachfolgenden Konkurrenz keine Chance mehr zu geben. Dieses Konkurrenzdenken war auch oft der Grund für die verschwommenen und immer wieder total erfundenen Fundorte, die dann in Folge zu Kulturproblemen in Europa führten.

Einer der Berichte schildert, dass von 20.000 versandten Oncidien letztlich in London nur noch 9 lebende Pflanzen versteigert werden konnten.

Einige Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert sollen zeigen, wie rücksichtslos die „Orchiomanie“ an den Standorten wütete:

Wie die Pflanzen transportiert wurden, beschreibt John Gibson, ein Sammler im Auftrag des Herzogs von Devonshire, der seine Aufsammlungen nach Calcutta schickte:

„Ich binde ein wenig Moos um die Wurzeln und lasse mir flache Körbe machen. In jeden Korb werden 40-50 Pflanzen gepackt, mit Moos gepolstert und mit Zweigen gesichert

dass nichts herausfallen kann…“ Die südamerikanischen Sammler, die oft weite Wege per Boot bis zur Küste zurückzulegen hatten, zimmerten oft luftige Kisten aus ästen, in deren Inneren die Orchideen möglichst Luftig

an Knüppel gebunden wurden. Im Inneren der Transportkisten kamen oft ungebetene Gäste über die Ozeane, die dann vor Ort das Auspacken unsicher machten. Offenbar geschah das so oft, dass sogar Karikaturen über dieses Thema erscheinen Man fragt sich, wie es den Sammlern ging, die sich monatelang durch unwegsamen Dschungel kämpften und von ihren Auftraggebern oft mehr als nachlässig behandelt wurden; die meisten Briefwechsel wurden über mangelhafte Zahlungs- oder Unterstützungsmoral geführt! Von vielen der Abenteurer, die die Standorte plünderten wissen wir nur noch den Namen, oft nur durch die Benennung einer Art …

 

Thomas Falkenberg – stirbt in Panama.
Enrico Klaboch wurde in Mexico ermordet.
Vinzent Wallis – in Ecuador ermordet.
Richard Schroeder – stirbt in Sierra Leone.
Arnold Kaufmann verschwindet auf einer Reise den Orinoco hinauf.
Ronald Deganee wird in Brasilien erschossen.
Tom Brown – ermordet in Madagaskar
Jaromir Hendres – ermordet in Rio Hucha
Roezl Cuera stirbt mit 60 in Prag, ausgelaugt von seinen Sammlerjahren.
Reich wurde keiner, auch wenn er seine Abenteuer überlebte…