Orchidee

Was ist das?

Wohl kaum eine Pflanzenfamilie besitzt eine solche Fülle an Farben- und Formenreichtum wie wir sie bei den Orchideen finden. Rund 30.000 Arten unterscheiden Botaniker. Dazu kommen tausende Züchtungen.
Vor rund 60 Millionen Jahren entwickelte sich die erste orchideenartige Pflanze. Damals schwebte sie noch nicht wie heute in den Baumwipfeln eines Regenwaldes, sondern wuchsen am Boden. Bis sie ihr Leben auf Bäumen und ohne Erde als Nahrungsquelle einrichtete, dauerte es vermutlich noch viele Millionen Jahre. Abdrücke auf Stein, sogenannte Fossilien, fand man nur wenige. Das zartblättrige Urgewächs war dafür nicht besonders geeignet spuren zu hinterlassen.

In der Luft, auf der Erde und auf Stein

Die meisten tropischen Orchideen wachsen Epiphytisch, (von griechisch „epi“ für auf und „phyton“ für Pflanze), das heißt sie sind keine Schmarotzer wie die heimische Mispel, sondern sie benützen die Bäume nur zu festhalten. In den Baumwipfeln des tropischen Regenwalds bekommen sie genau das Maß an Sonne und Schatten, das sie brauchen. Ein Teil der Wurzeln klammert sich an Äste und Zweige, andere hängen einfach herab. Als Nahrung dient, was sich an den Ästen aus vermoderten Pflanzenteilen ablagert, tierischen Exkrementen, und was der Regen und die hohe Luftfeuchtigkeit herantragen. Orchideen sind also äußerst genügsam. Außer den Orchideen, die als Epiphyten auf den Bäumen leben, gibt es auch Arten, die auf dem Boden heimisch sind, einige wenige sogar auf Felsen.

Die Entwicklungsgeschichte der Orchidee ist noch nicht abgeschlossen. Noch heute entstehen immer noch neue Formen und Farben, sogenannte natürliche Hybriden, indem sich sogar unterschiedliche Orchideengattungen mithilfe eifriger Insekten erfolgreich befruchten lassen. Während es in Europa etwa 250 Arten gibt, findet man in Australien rund 800, in Afrika 2000, in Südamerika um die 9000 und in Asien sogar 14.000 Arten. Neun von zehn Arten sind jedoch in den Tropen beheimatet. Und doch gedeihen die Schönheiten nicht nur in warmen Gebieten. Manche kommen sogar in Höhen von über 4000 Metern im Himalaja oder den südamerikanischen Anden vor. Außer in Trockenwüsten und im ewigen Eis gibt es Orchideen weltweit.

Woran erkennt man eine Orchidee?

Wir Menschen wollen immer alles genau wissen. Und so ist die Suche nach gemeinsamen Merkmalen innerhalb einer Pflanzenfamilie verständlich.

Vielleicht liegt die Faszination der Orchidee darin, dass es kaum gemeinsame Merkmale gibt.  Jeder erkennt auf Anhieb eine Tulpe. Orchideen muss man beim Wachsen jedoch zusehen um sie also solche zu erkennen. Denn dass sich zum Beispiel die Blüte während des Öffnens um 180° dreht, merkt man erst durch langes Beobachten. Auch dass die Orchideensamen zum keinem einen Pilz benötigen ist kein artspezifisches Merkmal. Dies finden wir auch bei anderen Pflanzen. Haben wir dann endlich ein  gemeinsames Merkmal gefunden. Erklärt ein Botaniker plötzlich, dass diese Pflanze gar keine Orchidee mehr ist. Es ist wie bei den Sauriern. Lange zeit wurden alle gefundenen Skelette benannt und Eingeordnet. War es ein kleines Skelett mit anderen Merkmalen als bei einem großen, gab es schon wieder eine neu Art. Und alle Forscher ließen sich als die großen Entdecker feiern. Bis schließlich einige findige Köpfe erkannten, dass sich während des Wachstums der Saurier das Skelett veränderte und sogar neue Skeletteile während des Wachstums entstanden, im gleichen maßen andere verschwanden. Durch dieses Merkmal unterscheiden sich die Saurier erheblich von den heute lebenden Großtieren.

Die Orchidee besitzt in der Regel Merkmale, die keine andere Pflanzenfamilie hat: Solange sie Knospen trägt, ragt sie nach oben. Blüht sie auf, drehen sich die Blüten in der Regel um 180 Grad nach unten. Die kleinsten Orchideenblüten sind nur einige Millimeter groß, die größten bis zu 20 Zentimeter. Manche blühen nur einen Tag, andere monatelang. Ihre sechs Blütenblätter sind in der Regel nicht gleichförmig, sondern spiegelsymmetrisch: Es gibt in der Regel drei äußere sogenannte Kelchblätter und drei innere sogenannte Kronblätter. Während zwei der Kronblätter gleichförmig sind, ist das mittlere in der Regel lippenförmig ausgebildet. Die sogenannte Lippe ist das unterste Blütenblatt und soll den Insekten einen möglichst bequemen Landeplatz bieten. Das wesentliche an dieser Beschreibung sind aber die Worte „in der Regel“.

Ohne Pilz keine Orchidee

Die männlichen Staubgefäße und die weiblichen Stempel sind bei allen Blütenpflanzen eigenständige Geschlechtsorgane, nicht so bei der Orchidee. Da sind sie säulenförmig zusammengewachsen. An der Spitze der Säule sitzt der männliche Staubbeutel. Der Blütenstaub klebt darin in Paketen zusammen. Kommt ein Insekt, heftet sich solch ein Pollenpaket an das Tier. Beim Besuch der nächsten Orchideenblüte streift es das Paket auf der weiblichen, klebrigen Narbe ab. Die Narbe befindet sich an der Unterseite der Säule und wird durch ein kleines Häutchen geschützt. Das verhindert, dass sie sich durch heruntergefallene Samen selbst bestäubt.

Orchideensamen sind mikroskopisch klein. Anders als Samen anderer Pflanzen enthalten sie keine eigenen Nährstoffe. Zu ihrer Ernährung benötigen sie einen kleinen Fadenpilz. Die Fäden dieses Pilzes wandern in die Samenzelle der Orchidee, wo sie zersetzt und als Nahrung aufgenommen werden. Ohne diesen Pilz können die Keimlinge nicht überleben. Die Entwicklungsphase dauert je nach Art ein halbes bis ein Jahr. Erst wenn der Keimling seine erste grüne Farbe entwickelt, sein Chlorophyll, kann er auf die Pilzgemeinschaft verzichten. Bis zur ersten Blüte vergehen weitere vier bis fünf Jahre, bei den „Vandeen“ sogar 15 Jahre.

Pflücken verboten

Viele Orchideenarten in der Natur sind bedroht, teils durch die Abholzung der Regenwälder, aber auch durch landwirtschaftliche Nutzung und durch Sammler. Daher wurde es notwendig Vorschriften zu erlassen, die den Handel und Export regeln. Das hat zur Folge, dass inzwischen alle Orchideenarten im Anhang des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens aufgeführt sind. Manche Gebiete wurden zum Naturschutzgebiet erklärt, um außerordentlich seltenen und stark gefährdeten Orchideen eine Überlebenschance zu geben. Denn: Wenn es diese oder jene Orchidee nicht mehr gäbe, würden auch bald seltene Insekten aussterben. Das Zusammenspiel von bestimmten Arten mit speziellen Bestäubern ist gerade bei Orchideen besonders ausgeprägt.

 Umdenken bei Orchideen

Der Umgang mit Orchideen erfordert ein Umdenken in mehreren Richtungen.
Wer sich mit Orchideen beschäftigt ist gut beraten, alles was er über die Pflege von Pflanzen gleich welcher Art zu wissen glaubt in Frage zu stellen.
Auch alle handelsüblichen Pflegeanleitungen sind mit Vorsicht zu genießen, denn im Hintergrund steht in den meisten Fällen immer eine Verkaufsstrategie.
Der Normalverbraucher will keine komplizierten Anleitungen, sondern klare Aussagen. Ihm kann ich auch nicht erklären was eine gesunde Lebensweise ist.
Er kennt nur eines. Essen oder nicht Essen. Zu viel Essen führt zum dick werden. Zu wenig Essen führt zur Magersucht. Und wenn etwas gar nicht mehr funktioniert, dann gehen wir zum Arzt. Wie heißt es doch so schön? Der Doktor wird´s schon richten. Bei Pflanzen im Haus funktioniert diese menschliche Denkungsweise genauso. Wir kennen nur Extreme. Entweder gießen oder nicht gießen. Und wenn auf dem Schild steht: „täglich gießen“, dann müssen wir auch täglich gießen; bis zum Ertrinken versteht sich. Wenn aber auf dem Schild steht: „Erst gießen, wenn Erde ausgetrocknet“, können sie sicher sein, dass die Pflanze zu Trockenblume wird. So einfach ist das.
Nun bei Orchideen funktioniert das so nicht. Viele Orchideen benötigen eine oft lange Trockenperiode. In dieser Zeit können sie ohne weiteres den Eindruck einer etwas dürren Pflanze vermitteln. Doch ein einziges Gießen in dieser Trockenzeit, verhindert, dass die Orchidee Blüht, und sie wird aus Dankbarkeit sofort wieder zu treiben beginnen. Wer aber angesichts des Neutriebes diesen Prozess aufhalten möchtend mit dem Gießen sofort wieder aufhört, bevor der Trieb ausgereift ist, riskiert Kümmerwuchs. Die Pflanze stirbt nicht aber sie verjüngt sich, und damit blüht sie unter Umständen so lange nicht, bis sie wieder einen Blühfähigen Trieb hervorbringt. Dies kann unter Umständen mehrere Jahre dauern.
Nachdem Orchideen ohne Blüte kaum attraktiv sind, werden sie dann in den meisten Fällen dem Müll übergeben.