Vereinsgründung

Gedanken des Vereinsgründers

Als ich den Gedanken einen Orchideenverein zu gründen in die Öffentlichkeit trug, war die erste Frage eines echten Pongauers. „Wozu brauch ma do an Varein?“
Nun, die Frage nach der Sinnhaftigkeit ist immer eine Frage des Wissens um die Materie selbst, und manche Fragen beantworten sich einfach nur durch Wissen.

Die Geschichte der Orchideen ist die Geschichte einer Leidenschaft schlechthin.
Für Kriminalisten ist diese Geschichte ein 300 Jahre dauernder Wirtschaftskrimi ohne Ende.
Die Geschichte der Orchideen ist aber auch eine Geschichte der beispiellosen menschlichen Dummheit und Ignoranz. Denn alles was wir bisher unternommen haben um Pflanzen vor der Ausrottung zu schützen, hat sich als Bumerang erwiesen.
Der in Gesetze und Regeln verliebte noch dazu wirtschaftlich- politisch denkende Mensch hat durch Unwissenheit und Anmaßung die Ausrottung von Fauna und Flora buchstäblich vorangetrieben.
Wenn heute jemand eine neue Orchideenart entdeckt ist er gut beraten die Pflanze dort zu belassen wo sie war. Andernfalls er nicht nur eine internationale Vereinbarung verletzt. Er wird sich, wegen Zollvergehens, vor allem aber wegen groben Verstoßes

gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen zu verantworten haben.
Anders gesehen ist er aber ein Entdecker, ein moderner Nachfahre jener unbekannten Naturforscher und Orchideenjäger der vorigen Jahrhunderte, deren geheimnisvolle Geschichte noch gar nicht geschrieben wurde.
Er wäre eigentlich ein Retter. Denn er hätte eine der vielen noch unentdeckten Pflanzen gerettet bevor sie durch sinnlose Urwaldrodungen oder Umweltschäden ausgerottet werden.
Die Orchidee ist eine der schönsten Pflanzen der Welt, aber auch eine der gefährlichsten. Die frühen Orchideenjäger fürchteten sich vor Eingeborenen,
vor giftigen Schlangen, vor Krankheiten und Raubtieren.
Die heutigen Orchideensammler fürchten sich vor der blinden Justitia.
In meiner Hand halte ich ein Schneckengehäuse. Ein Wunder der Natur.
Diese Schnecke ist geschützt. Sie ist von Aussterben bedroht. Ich habe sie in Italien in einem Supermarkt gekauft. Aber eigentlich wollte ich nur Schwimmflossen.
Das geschieht alles so nebenbei. Ein kleiner Junge wollte diese Schnecke auch.
Seine Mutter kaufte ihm diese, und der Junge lächelte mich an.
Wahrscheinlich landet das Gehäuse nach Jahren irgendeinmal im Müll.
Und so bewegen wir Menschen uns in der Natur. Wir plündern und rauben.
Nur das, was wir als letztes entwickelt haben, was uns von allen anderen Lebewesen dieses Planeten unterscheidet, unser Gehirn, schalten wir, wenn es um unseren Lebensraum geht sprichwörtlich aus.

Aber bleiben wir zunächst noch bei den Orchideen. Abgesehen von der Liebhaberei über die man unterschiedlicher Meinung sein kann.
Ohne die Abendteurer der Vergangenheit hätte es den großen Orchideenrausch nie gegeben, der um 1840 begann und viele Jahre auch die Wirtschaft bestimmen sollte, ohne diese Abendteurer wären London und Hamburg im 19. Jahrhundert nicht zu europäischen Orchideen-Hauptstädten geworden.
Ohne sie, wären nicht 25 000 Arten der größten Pflanzenfamilie der Welt bekannt geworden. Ohne sie, würden nicht mehr als 100 000 Arten gezüchtet und kultiviert. Und ohne sie, gäbe es kein weltweites Geschäft, das im Jahr weit mehr als zehn Milliarden Dollar umsetzt.
Verantwortlich dafür waren und sind Abenteurer, Entdecker und Geschäftemacher,
die seit Mitte des 18. Jahrhunderts unter Lebensgefahr die „Königin der Duftpflanzen“ in den Urwäldern Süd- und Mittelamerikas und Ostasiens suchten, sammelten und nach Europa verschifften, wo Zahlungskräftige, für seltene Exemplare Unsummen bezahlten und noch immer bezahlen.
Wir Menschen sind wohl das einzige Lebewesen auf diesen Planeten, welches die ausgeprägte Fähigkeit besitzt, aus Überheblichkeit und Geltungsbedürfnis die Augen zu verschließen oder einfach dort weg zu schauen, wo wir eigentlich hin schauen müssten. In unserer urzeitlichen Entwicklung haben wir gelernt, wachsam zu sein und den Gefahren zu trotzen.
Aus diesem Grunde haben sich im Zuge der Evolution unsere feinnervigen Sinne entwickelt. Doch was tun wir? Wir opfern unsere geistigen Fähigkeiten einer wirtschaftlichen Denkungsweise. Wir nehmen zwar wahr, dass sich um uns alles verändert hat, gehen aber nicht davon aus, dass wir in Zukunft neue Schritte wagen müssen weil wir selbst ein Teil dieser Veränderung sind.

Vorlieben und Gewohnheiten, Brauchtum und Glauben an die göttliche Allmacht sind die gleichen geblieben wie vor hunderten von Jahren. Und ähnliches Verhalten übertragen wir in unser wirtschaftliches Denken. Die Vergangenheit war heftig, doch jetzt wissen wir wie Hase läuft. So denken wir.
Wir glauben angekommen zu sein, und vergessen, dass wir eigentlich immer unterwegs sind. Unser Zielgerichtetes Blickfeld verleiht uns das Gefühl alles erreicht zu haben. Doch nur wenige Meter weiter herrscht das Chaos, welches wir nicht sehen wollen. Wir versuchen zwar Fehler zu erkennen und zu korrigieren, hinterlassen aber auf diesem Korrekturpfad eine breite Spur der geistigen Verwüstung. Die wenigsten Mitteleuropäer wissen oder wollen es wahrhaben, dass vor Jahrhunderten riesige Wälder und natürliche Wiesen Europa prägten. Nun, die Wälder mussten unserer wirtschaftlichen Denkungsweise weichen und wurden im Nachhinein nach der gleichen Denkungsweise durch Monokulturen ersetzt. Wir sind heute so klug, dass wir die von uns einst ausgerotteten Lachse wieder in unsere Flüsse rückführen.

Wir versuchen Bären, Wölfe und Luchse, die in unseren Wäldern einmal beheimatet waren, wieder der Natur zurückzugeben. Aber Pflanzen die einst auf Bäumen in den
Tropischen Wälder erblühten und durch menschliches Profitdenken in ihrer Heimat ausgerottet wurden, sind nie mehr dort wo sie sie einst waren wieder anzusiedelnd.
Viele, der von Liebhabern auf der ganzen Welt gepflegten Orchideen sind in der freien Natur längst ausgestorben. Kaum jemand der auf seiner Fensterbank eine Abart der Phalaenopsis Schilleriana pflegt, hat ein Wissen darüber, ob es diese Pflanze in freier Natur noch gibt.
Und es sind nicht nur über hundert Pflanzenarten die tagtäglich auf diesem Erdball verschwinden. Pflanzen die wir bereits kennen. Nein, die Hälfte dieser Pflanzen meine Damen und Herrn wird durch Menschenhand ausgerottet bevor sie entdeckt wurden.
Wenn man von den Alten Römern spricht, dann sagt jeder „ naja, des warn halt die alten Römer.
Und diese haben für ihren Galeerenbau die gesamte ligurische Küste abgeholzt. Ich brauche Ihnen jetzt hoffentlich nicht zu erklären wie groß diese Fläche war. Aber wer heute mit dem Auto der Küste entlang fährt, der sieht, wenn er des Sehens fähig ist, und nicht schon vom Auto aus in einen orgastischen Sonnenrausch verfällt, dass sich der gesamte Küstenstreifen langsam wieder bepflanzt.

Millionen wurden dafür schon ausgegeben, um das wieder herzustellen was die alten Römer an der Natur verbrochen haben. Und dieser Prozess der Rekultivierung dauert heute immer noch an. Und ich brauch Ihnen verehrte Gäste auch nicht zu erklären, wann die alten Römer gelebt haben. Aber das waren hat die alten Römer.
Eine einfache Kopfrechnung beweist aber dass wir nichts, aber auch schon gar nichts dazu gelernt haben:
Ich frage sie: “Können Sie sich vorstellen wie lange 40.000 Jahre sind“?
Wohl kaum, denn unsere Christliche Zeitrechnung beschränkt sich gerade einmal auf die letzten 2.000 Jahre. Immerhin schreiben wir demnach erst das Jahr 2013. Als wenn es uns vorher nie gegeben hätte. Wer weiß den schon was 1350 in Europe geschehen ist. Das ist aber gerade einmal 800 Jahre her.
40.000 Jahre dauert es, bis Plutonium so zerfällt, dass es für die Umwelt ungefährlich ist. Um es zu lagern wird dieses Restprodukt in ganz normalen Blechfässern verbracht und irgendwo, möglichst tief vergraben, damit es einfach weg ist. Eigentlich logisch.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit.
Tatsache ist, dass selbst 2 cm dickes Eisen nach etwa 300 Jahren durchrosten würde.
Dies bedeutet, dass selbst bei einer solch dicken Wandstärke von 2cm, die Fässer sage und schreibe innerhalb von 40.000 Jahren 120 Mal gewechselt werden müssen.

Und wir haben noch gar keine Vorstellung davon, wie das gehen soll. Weltweit kommen täglich aber 200 Fässer dazu.
Aber wir leben wie ich schon sagte in einer christlichen Welt, nach dem Motto der Herrgott wird’s schon richten. Aber wir können sicher sein, dass der Herrgott das nicht richten wird. Und wir können sicher sein, dass unsere Urenkeln, sollten sie weiter so gläubig sein wie wir, dicke Betonplatten über unseren Gräbern errichten werden, mit viel Eisen drin. Damit wir ja nicht wieder auferstehen, für das was wir ihnen hinterlassen haben.
In wenigen hunderten Jahren, wenn es überhaupt so lange dauert, werden wir nicht einmal mehr Metalle für unser Kochgeschirr haben, und unsere Suppe aus ausgehöhlten Fruchtschalen schlürfen können. Geschweige denn, in der Lage sein, Eisen für die Lagerung von radioaktivem Müll zu verwenden.
Angesichts einer solchen Entwicklung darf niemand mehr die Frage stellen.
Wozu braucht man einen Orchideenverein. Alle die Orchideen kaufen, Pflegen,
und sich an der Schönheit ihrer Blüten ergötzen und erfreuen sind Pioniere.
Denn sie tragen nicht nur dazu bei, dass Züchter auf der ganzen Welt diese Pflanzen vermehren und dadurch in ihrer Art erhalten. Sie tragen dazu bei, dass unsere Urenkel diese Pflanzen nicht nur von Bildern und Erzählungen her kennen werden. Und sie sind ein kleiner Beitrag dafür, unsere materialistische Denkungsweise in eine Umwelt erhaltende zu lenken.

Wenn wir heute den Salzburger Orchideenverein aus der Taufe heben so ist dies in vieler Hinsicht ein historisches Ereignis.
Zum ersten hat es in unseren Breiten kaum jemals einen Verein gegeben für den im Vorfeld so viele Vorbereitungen von Nöten waren als bei diesem. Kaum jemand hat eine Vorstellung, wie lange es dauert bis Orchideen blühen.
Wenn man bedenkt, dass vom Samen bis zur ersten Blüte je nach Art zwischen 7
und 12 Jahre vergehen. So kann man sich da schon etwas mehr vorstellen.

In vergangenen Zeiten erkannten die Menschen bereits die stärksten Menschlichen Triebfedern, denn sie verstanden es Kultur und Natur miteinander zu verbinden.
Durch solche Denkungsweisen sind viele Vereine entstanden deren historische Hintergründe in der Verbindung von Natur und Kultur wurzeln. Auch die Wurzeln des Salzburger Orchideenvereins reichen Jahrzehnte zurück.

Richard Holy
im Herbst 2012